Ein Baum vor der Südseite kostet mehr Ertrag, als die meisten Planungen annehmen. An einem realen Wohnhaus in Nordrhein-Westfalen sind es 22,8 % des Jahresertrags — 1.791 Kilowattstunden. Sichtbar wird das erst, wenn man die Bäume tatsächlich in die Sonnenbahn einrechnet.

Zwei Sonnenstand-Diagramme desselben Daches nebeneinander: links nur mit Gebäudeverschattung, rechts zusätzlich mit den grün dargestellten Baumkronen, die große Teile der Winter-Sonnenbahn verdecken.
Dieselbe Dachfläche, dieselben Sonnenbahnen. Rechts sind die Bäume aus dem Umgebungsmodell eingerechnet. Die graue Fläche ist Nachbarbebauung, die grüne sind Baumkronen. Gut zu sehen: die Dezember-Bahn (grau, unten) verläuft fast vollständig hinter Bewuchs.

Wie viel Ertrag kostet ein Baum?

Für das abgebildete Gebäude — ein Wohnhaus mit 9,37 kWp auf einem Satteldach — rechnet DEUKOS drei Werte:

RechenfallJahresertragVerlust
ohne jede Verschattung8.039 kWh
mit Nachbargebäuden7.847 kWh2,4 %
mit Bäumen6.056 kWh22,8 %

Die Verteilung über das Jahr ist ungleich: Im Januar gehen 40 % verloren, im Juni 14 %. Der Grund ist die Sonnenhöhe. Im Dezember steht die Sonne in Köln mittags nur rund 15° über dem Horizont — ein 15 m hoher Baum in 12 m Abstand steht dann vollständig im Strahlengang. Im Juni erreicht die Sonne 62° und läuft über die Krone hinweg.

Woher die Baumdaten kommen

DEUKOS verwendet zwei amtliche Quellen: das LoD2-Gebäudemodell der Landesvermessung für die Nachbarbebauung und einen bundesweiten Bestand von 8,9 Millionen Einzelbäumen, abgeleitet aus Laserscan-Daten der Länder. Jeder Baum trägt eine Position und eine Höhe.

Was gemessen ist — und was nicht

  • Position: auf etwa 0,65 m genau — aus der Punktwolke abgeleitet.
  • Höhe: gemessen. Sie ist die für die Verschattung entscheidende Größe.
  • Kronendurchmesser: nicht gemessen, sondern aus der Baumhöhe abgeleitet. Er bestimmt, wie lange ein Baum verschattet — hier liegt die größte Unsicherheit.
  • Baumart: aus Laserscan-Daten nicht bestimmbar.

Warum ganzjährig gerechnet wird

Ein Laubbaum verschattet im Winter deutlich weniger als im Sommer. Weil sich die Art aus den Daten nicht bestimmen lässt, rechnet DEUKOS vorsichtig: jeder Baum verschattet ganzjährig. Steht vor dem Dach eine Buche, die im November ihr Laub verliert, fällt der tatsächliche Ertrag also höher aus als im Bericht ausgewiesen. Die Aussage ist damit eher zu pessimistisch als zu günstig — was in der Planung die verträglichere Richtung ist.

Was Solarkataster leisten — und was nicht

Nahezu alle Bundesländer betreiben ein kostenloses Solarkataster. Diese Karten sind gut und für eine erste Einschätzung oft ausreichend. Viele von ihnen rechnen über ein digitales Oberflächenmodell, in dem Vegetation implizit enthalten ist — die Aussage „Kataster ignorieren Bäume" wäre also falsch.

Was sie in der Regel nicht leisten: den Anteil der Baumverschattung getrennt ausweisen und den einzelnen Baum benennen. Genau das ist aber die Frage, die in der Planung auftaucht — was bringt es, wenn dieser eine Baum gekürzt wird? Die Sonnenbahn-Darstellung oben beantwortet sie: Sie zeigt, welche Stunden an welchem Tag hinter welcher Krone liegen.

Auch für die Freifläche

Zwei Besonnungskarten desselben Grundstücks: links der 21. Juni mit überwiegend gelben Flächen (viele Sonnenstunden), rechts der 21. Dezember, fast vollständig blau — mit den Baumkronen als grünen Kreisen.
Dieselbe Rechnung für das Grundstück: Besonnungsstunden je Quadratmeter am 21. Juni und am 21. Dezember, auf 1 m Aufenthaltshöhe. Für die Frage, wo eine Terrasse hin soll.

Dieselbe Schattengeometrie liefert eine Besonnungskarte der Freifläche — Sonnenstunden je Rasterpunkt am längsten und am kürzesten Tag des Jahres. Sie ist als Orientierung für Sitzplatz, Terrasse und Bepflanzung gedacht und ersetzt kein Besonnungsgutachten nach DIN 5034.

Grenzen

Der Bericht ist eine Planungsorientierung, keine Genehmigungsgrundlage und kein Ertragsgutachten. Nicht enthalten sind Gauben, Schornsteine, Dachfenster und sonstige Dachaufbauten — sie verkleinern die belegbare Fläche typischerweise um 5 bis 15 %. Die Verschattung durch eine erst geplante Nachbarbebauung ist ebenfalls nicht enthalten. Für verbindliche Aussagen bleibt die Prüfung vor Ort erforderlich.

Für die eigene Adresse ansehen

Adresse eingeben, Gebäude wählen, Bericht erzeugen — das PDF entsteht in wenigen Sekunden und enthält Dachflächen, Monatserträge mit und ohne Baumverschattung sowie ein Methodenkapitel.

Zur Karte

Datengrundlage: LoD2-Gebäudemodelle und Laserscan-Daten der Landesvermessungsämter, Lizenz je Land (überwiegend Datenlizenz Deutschland Zero 2.0). Rechenverfahren: Sonnenstand nach NOAA/pvlib, Ertragsintegration über PVGIS. Beispielwerte erhoben am 15.08.2026 an einem Wohngebäude in Nordrhein-Westfalen.

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