Der Kunde sagt, sein Garten sei sonnig. Sie waren im November dort, bei bedecktem Himmel. Der Pflanzplan soll nächste Woche stehen — und die Frage, was der Nachbargiebel und die alte Linde im Juni wirklich verschatten, beantwortet niemand zuverlässig aus dem Gedächtnis.
Was das ist: Geometrische Besonnungssimulation aus amtlichen Geobasisdaten für zwei Stichtage bei wolkenfreiem Himmel — eine Vorprüfung, kein Gutachten und kein Ersatz für die Begehung. Der erfasste Baumbestand stammt aus einer mehrere Jahre alten Befliegung und ist bewusst unvollständig; Standorteignung und Pflanzenauswahl verantwortet der ausführende Betrieb. Woher die Baumdaten stammen und was sie nicht leisten.
Wofür Betriebe das nutzen
Bedenken anmelden, bevor angesät wird
Der häufigste Reklamationsfall im Hausgarten ist der Rasen im Schatten, der nach zwei Jahren vermoost. Unter etwa vier Stunden direkter Sonne in der Vegetationszeit wird ein belastbarer Rasen schwierig, unter zwei bis drei Stunden ist er dauerhaft nicht zu halten. Wenn Sie das vor der Ausführung schwarz auf weiß haben, führen Sie das Gespräch nicht in der Gewährleistung — und können Ihre Bedenken nach § 4 Abs. 3 VOB/B schriftlich anmelden und die Karte beilegen.
Vorbereitet zum Ortstermin
Sie sehen vor der Anfahrt, wo der Nachbargiebel steht und wo der Nachbar-Bergahorn. Genau die beiden Dinge unterschätzt der Kunde am Telefon regelmäßig. Sie diskutieren dann nicht mehr über die Lage, sondern über Lösungen.
Im Angebot, das anders aussieht als die zwei anderen
Bei einem größeren Auftrag liegen drei Angebote auf dem Küchentisch. Eines hat eine Karte dabei. Und wenn der Kunde die Terrasse an der Stelle will, die ab 16 Uhr im Schatten liegt, ist ein Plan auf dem Tisch das bessere Argument als das Gefühl.
Kalkulation, die den Schatten kennt
Schatten kostet Geld: Schattenrasen mit Poa supina ist im Saatgut deutlich teurer als eine Standardmischung, unter Bäumen kommt Bodenverbesserung dazu, die Entwicklungspflege dauert länger. Wer das vorher weiß, preist es ein, statt es später als Nachtrag durchsetzen zu müssen.
Was drin ist — und was nicht
| Berücksichtigt | Nicht enthalten |
|---|---|
| Eigenes Gebäude und Nachbarbebauung aus dem amtlichen 3D-Gebäudemodell | Hecken, Mauern, Zäune, Pergolen, Gartenhäuser |
| Altbaumbestand aus Laserscan-Daten, ab etwa 5 m Höhe | Baumart — und damit der Laubabwurf im Winter |
| Geländeverlauf aus dem Höhenmodell (Böschung, Hangkante, Talwand) | Diffuslicht — gerechnet wird die direkte Sonne |
| Zwei Stichtage: 21. Juni und 21. Dezember, wolkenfrei | Jahresmittel, Uhrzeitfenster, Ertragsprognose |
Drei Punkte, die ein Fachmann sofort fragen würde
Und die Antworten darauf
- „Der 21. Dezember liegt außerhalb der Vegetationszeit." Stimmt. Für die Pflanzplanung zählt der Sommerwert. Die Winterkarte ist für Aufenthaltsqualität, Moosdruck und Glättebildung interessant, nicht für die Standortwahl einer Staude.
- „Bei Laubbäumen kann die Winterkarte nicht stimmen." Stimmt ebenfalls. Die Baumart ist aus Laserscan-Daten nicht bestimmbar, deshalb wird jeder Baum ganzjährig als verschattend gerechnet. Im Hausgarten dominiert Laubgehölz — die Winterkarte zeichnet dort Schatten ein, die es im Dezember so nicht gibt.
- „Woher kommt der Kronendurchmesser?" Gemessen sind Standort und Höhe des Baums. Die Kronenbreite wird daraus abgeleitet (rund 0,28 × Höhe, an kommunalen Baumkatastern kalibriert). Das ist ein waldtypisches Verhältnis; frei stehende Hausbäume bauen breitere Kronen — im Garten wird der Baumschatten also eher unterschätzt als überschätzt.
Wir schreiben das hierhin und nicht ins Kleingedruckte, weil Sie es ohnehin merken würden. Die Karte bildet die großen, ortsfesten Schattenwerfer ab — Nachbarhaus, Altbaum, Geländekante. Das sind die, die man vom Ortstermin im November schlecht abschätzt und die sich nicht ändern lassen. Die fehlenden Elemente sind überwiegend die kleinen, veränderbaren: Hecke schneiden, Pergola versetzen. Das Gerüst kommt aus der Karte, die Feinheiten vom Ortstermin.
Woher die Daten kommen
Gebäudehöhen und -formen stammen aus den amtlichen 3D-Gebäudemodellen der Landesvermessung, der Geländeverlauf aus dem Höhenmodell im Meterraster, der Baumbestand aus der Auswertung von Laserscan-Höhendaten. Der Sonnenstand wird astronomisch für den jeweiligen Standort gerechnet, nicht geschätzt. Wo ein Baum ausgewiesen wird, stimmen Standort und Höhe gut: gegen 2,34 Millionen amtlich erfasste Bäume in Bayern liegt die mittlere Lageabweichung bei 0,65 m. Erfasst werden bewusst nur Bäume, die sicher erkennbar sind — etwa ab 5 m Höhe.
Häufige Fragen
- Gilt das bundesweit?
- Die Gebaeude- und Gelaendedaten liegen fuer alle 16 Bundeslaender vor. Der Baumbestand ist aus Laserscan-Daten abgeleitet und je nach Land unterschiedlich weit erschlossen; fuer welche Gebiete er vorliegt, steht in der Auswertung.
- Wie aktuell sind die Daten?
- Die Gebaeudemodelle stammen aus der amtlichen Landesvermessung, der Baumbestand aus einer Befliegung, die je nach Bundesland mehrere Jahre zurueckliegen kann. Faellungen, Neupflanzungen und Zuwachs sind darin nicht enthalten. Der Stand steht in jeder Auswertung.
- Kann ich die Karte meinem Kunden geben?
- Ja. Sie erhalten ein PDF, das Sie ausdrucken, dem Angebot beilegen oder weiterleiten koennen. Geben Sie es bitte unveraendert weiter - die Angaben zu Verfahren, Datenstand und Grenzen stehen im Dokument selbst und gehoeren dazu.
- Ersetzt das den Ortstermin?
- Nein. Die Karte zeigt die grossen, ortsfesten Schattenwerfer - Nachbargebaeude, Altbaumbestand, Gelaende. Hecken, Mauern, Zaeune, Pergolen und Gartenhaeuser sind nicht enthalten. Die Beurteilung der Standorteignung und die Pflanzenauswahl verantwortet der ausfuehrende Betrieb.
- Was ist mit unbebauten Grundstuecken?
- Das funktioniert. Gerechnet wird die Freiflaeche des Flurstuecks; ohne Gebaeude darauf bleiben Nachbarbebauung, Baumbestand und Gelaende als Schattenwerfer.
Datengrundlage: 3D-Gebäudemodelle (LoD2), Geländemodell DGM1 und Laserscan-Daten der Landesvermessungsämter, Lizenz je Land (überwiegend Datenlizenz Deutschland Zero 2.0). Sonnenstand nach dem NOAA-Algorithmus. Die Auswertung ist eine geometrische Simulation zur Vorprüfung; die Beurteilung der Standorteignung, die Pflanzenauswahl und die Inaugenscheinnahme vor Ort verantwortet der ausführende Fachbetrieb.
Für Ihre Kunden: Wie viel Sonne hat mein Garten? — eine allgemeinverständliche Erklärung zum Weiterschicken.