Wer zum ersten Mal ein Geoportal eines deutschen Bundeslandes öffnet, denkt: prima, da sind die Daten. Wer alle sechzehn öffnet, versteht das Problem.

Die Idee hinter DEUKOS war einfach genug — amtliche Geodaten für Architekten und Planer nutzbar machen, ohne dass sie sich durch Dutzende Portale kämpfen müssen. Die Umsetzung war das Gegenteil von einfach. Dieser Artikel beschreibt, was uns zwei Jahre beschäftigt hat. Nicht als Klagelied, sondern weil wir denken, dass diese Komplexität sichtbar sein sollte — für alle, die mit deutschen Geodaten arbeiten oder arbeiten wollen.

16 Geoportale
16 Datenformate
16 Lizenzbedingungen

Das Gelände klingt einheitlich. Ist es nicht.

Das Digitale Geländemodell mit 1-Meter-Raster ist in Deutschland der dichteste frei verfügbare Höhendatensatz. Technisch gesehen ein Raster — X/Y-Koordinate plus Höhenwert. So weit, so klar.

Die Realität: Jedes Bundesland liefert diesen Datensatz anders. Nicht leicht anders. Grundlegend anders.

Kachelgröße & Blatteinteilung

Ein Land liefert in 1-km-Kacheln. Ein anderes in 5×5-km-Blättern. Weitere orientieren sich an der historischen Blatteinteilung der topografischen Karten — sinnvoll gewachsen, aber für automatisierte Verarbeitung eine eigene Logik. Bevor eine einzige Höhenzeile verarbeitet werden kann, muss man wissen, wie die Daten des jeweiligen Landes geschnitten sind.

Koordinatensysteme — das eigentliche Problem

Deutschland verwendet heute ETRS89/UTM als amtliches Referenzsystem. In der Praxis liefern manche Länder noch immer Daten in älteren Systemen mit Meridianstreifen, die sich mit UTM überlappen, aber nicht deckungsgleich sind. Eine direkte Verwendung ohne Transformation führt zu Versätzen von mehreren Metern. Bei 1-Meter-Raster-Auflösung ist das kein akademisches Problem.

Erschwerend: Manche Datensätze enthalten keine eingebetteten Koordinatensystem-Metadaten, und nicht jede Dokumentation ist in diesem Punkt zuverlässig. Man merkt den Fehler erst, wenn Gebäude mehrere Meter neben ihrem Flurstück stehen.

Höhenbezugssysteme

DHHN2016 ist das aktuelle deutsche Höhensystem. Ältere Datensätze referenzieren noch DHHN92. Der Unterschied klingt marginal, macht in der Praxis aber bis zu 15 cm aus. Bei einer angegebenen Höhengenauigkeit von ±15 cm ist das der gesamte Toleranzbereich — aufgebraucht durch einen Systemwechsel, den niemand prominent kommuniziert hat.

Zwischenstand

Nach den ersten drei Monaten hatten wir einen funktionierenden Stand für zwei gut dokumentierte Länder mit sauberem UTM32. Das dritte Land war das erste echte Fragezeichen — nicht wegen der Datenqualität, sondern wegen einer eigenwilligen Kachellogik. Ein weiteres folgte kurz darauf wegen eines undokumentierten Wechsels mitten im Datensatz.

Gebäude: das Format verspricht mehr als es hält

Amtliche 3D-Gebäudedaten enthalten Dachformen, Wandflächen und Grundflächen als geometrische Beschreibung, verknüpft mit Katasterinformationen. Klingt perfekt für Architekten.

Das Austauschformat ist grundsätzlich gut spezifiziert — wenn alle denselben Teil der Spezifikation implementieren würden. Tun sie nicht.

Versionen & länderspezifische Profile

Die meisten Länder liefern die aktuelle Formatversion. Einige noch die vorherige. Der Unterschied betrifft nicht nur die Versionsnummer — es gibt strukturelle Unterschiede in der Attributvergabe, in der Geometrie-Referenzierung und in den zulässigen Wertebereichen. Ein Parser, der für die neue Version geschrieben ist, schluckt alte Dateien manchmal still und liefert falsche Geometrien, ohne einen Fehler zu werfen.

Dazu kommen länderspezifische Erweiterungen: eigene Attribute für Dachneigung, Traufhöhe und Firsthöhe — in unterschiedlichen Namespaces, mit unterschiedlichen Einheiten. Mindestens ein Land verwendet zusätzlich eine eigene Kodierung für Dachformen, die so nicht im Standard vorgesehen ist.

Geometrische Konsistenz

Die Daten sind amtlich, aber nicht immer geometrisch korrekt im Sinne eines dichten 3D-Modells. Flächen, die nicht sauber schließen, Normalen in die falsche Richtung, mikroskopische Versätze zwischen Punkten — das ist in Rohdaten kein Einzelfall, sondern Regelfall. Für eine reine Visualisierung tolerierbar. Für einen sauberen Export mit semantisch korrekten Bauteilen muss jedes Gebäude bereinigt werden.

Das klingt nach einem einfachen Bereinigungsschritt. Es ist in Wirklichkeit ein Entscheidungsbaum: Wann ist ein Spalt ein Datenfehler, wann eine tatsächliche Öffnung? Wann ist eine Flächenausrichtung falsch, wann beschreibt sie einen Innenhof? Pauschal lösen lässt sich das nicht — jede Dachform und jede Gebäudetopologie bringt ihre eigenen Sonderfälle mit, die man gegen echte Gebäude entwickelt und validiert.

Das Kataster ist kein Datensatz

Das Amtliche Liegenschaftskataster enthält Flurstücke, Gebäudegrundrisse, Nutzungsarten und noch mehr. Für Architekten relevant: Flurstücksgrenzen, Gebäudeflächen, Nutzungsarten (Wohngebäude, Nebengebäude, etc.).

Die Daten werden in einem standardisierten Austauschformat geliefert. Technisch lesbar. Praktisch ein eigenes Ökosystem mit Objektartenkatalog, Schlüsseltabellen und einer Attributstruktur, die ohne Kenntnis des amtlichen Standards schwer zu entschlüsseln ist.

Was in einem Land fehlt

Ein einziger Flächenstaat stellt seine Katasterdaten bisher nicht kostenfrei bereit. Das ist kein technisches Problem — es ist ein politisches. Wir warten auf die Bundesregelung, die alle Länder zur kostenlosen Bereitstellung amtlicher Geodaten verpflichten soll.

Aktualität ist kein Stichtag

Katasterdaten werden kontinuierlich aktualisiert, aber nicht zentral. Ein Neubau, der im Januar fertiggestellt und eingemessen wird, erscheint im Abruf desselben Landes zu unterschiedlichen Zeitpunkten — je nach Fortschritt der Bearbeitung in der zuständigen Katasterbehörde. Die Aktualität ist ein Kontinuum, kein Stichtag. Für Vorentwurf, Wettbewerb und Massenermittlung ist das ausreichend — und wir kommunizieren das transparent.

Warum bearbeitbare Bauteile besser sind als ein Netz aus Dreiecken

Wer 3D-Gebäudedaten direkt in eine Software lädt, bekommt ein Netz aus Dreiecken. Das sieht gut aus, ist aber für Architekten weitgehend unbrauchbar: Man kann keine Wandfläche selektieren, keine Dachneigung ablesen, keine Bauteile getrennt bearbeiten.

Der offene BIM-Standard IFC (Industry Foundation Classes) löst das anders. Eine Wand ist eine Wand — mit Dicke, Höhe, Materialzuweisung und der Möglichkeit, sie in Revit, ArchiCAD oder jedem anderen BIM-Werkzeug direkt zu editieren. Ein Dach ist ein Dach, kein zufälliges Dreiecksmuster.

Der Weg von Rohdaten zu semantisch korrekten IFC-Bauteilen ist aufwendig. Man muss Dachflächen von Wandflächen trennen, Grundplatten ableiten, Öffnungen erkennen. Das Ergebnis ist dafür ein Modell, das tatsächlich weitergearbeitet werden kann, statt nur betrachtet.

Der Unterschied in einem Satz

Die meisten Werkzeuge auf dem Markt liefern ein Dreiecksnetz. Wir liefern bearbeitbare Bauteile — getrennt nach Wand, Decke und Dach, georeferenziert in ETRS89/UTM32, sofort im BIM-Werkzeug nutzbar.

Die Datenmenge: ein unterschätztes Problem

Ein 1-Meter-Geländemodell für ganz Deutschland bedeutet viele Terabytes Rohdaten. Diese zu laden, zu transformieren und für schnellen Zugriff aufzubereiten ist keine triviale Infrastrukturaufgabe.

Besonders die Erzeugung eines performanten 3D-Viewers für ganz Deutschland — der im Browser schnell lädt und trotzdem hochauflösend bleibt — erfordert eine mehrstufige Vereinfachungspyramide: volle Auflösung für kleine Ausschnitte, reduziert auf Stadtebene, grob auf Bundesebene. Jede Ebene muss nahtlos in die nächste übergehen, ohne sichtbare Sprünge.

Bundeslandgrenzen: das unsichtbare Problem

Höhendaten enden an der Bundeslandgrenze. Was klingt wie eine administrative Selbstverständlichkeit, ist in der Praxis ein geometrisches Problem: Auf beiden Seiten der Grenze wurden die Daten zu unterschiedlichen Zeitpunkten mit unterschiedlichen Methoden erhoben. Der Übergang ist selten nahtlos.

Sichtbar wird das, wenn man einen Schnitt durch ein Gelände legt, das eine Bundeslandgrenze kreuzt — entlang eines Flusses etwa oder einer Autobahntrasse. Ein sauberer Übergang erfordert ein eigenes Blending — weder ein harter Schnitt noch eine willkürliche Interpolation, die die Genauigkeit beider Datensätze untergräbt.

Wo wir heute stehen

Alle 16 Bundesländer sind verarbeitet. Gelände und 3D-Gebäude sind bundesweit verfügbar. Die Katasterintegration ist in 15 von 16 Bundesländern abgeschlossen — ein Land bleibt die Ausnahme, solange die Daten dort kostenpflichtig sind. Koordinatensysteme sind normalisiert, Höhenbezugssysteme transformiert, Geometrien bereinigt.

Datenbasis Abdeckung Stand
Digitales Geländemodell 16 / 16 Bundesländer bundesweit
3D-Gebäude 16 / 16 Bundesländer bundesweit
Amtliches Kataster 15 / 16 Bundesländer bundesweit, 1 Land kostenpflichtig

Das bedeutet nicht, dass die Arbeit abgeschlossen ist. Datenlieferanten aktualisieren ihre Bestände, neue Befliegungen ersetzen alte Daten, Formatänderungen kommen ohne Ankündigung. Ein bundesweiter Geodatenstand ist kein Zustand — er ist ein laufender Prozess.

Was wir aber gebaut haben, ist eine Plattform, die diesen Prozess beherrschbar macht und das Ergebnis für Architekten und Planer direkt nutzbar liefert — ohne Geoportal-Tourismus, ohne manuelle Koordinatentransformationen, ohne Dreiecksnetze statt Bauteile.


Wir planen eine Fortsetzung zu den Themen Katasterdaten-Struktur und dem Weg von Rohdaten zu sauberen BIM-Bauteilen. Wenn Sie an diesem Thema arbeiten oder Fragen haben, freuen wir uns über eine Nachricht.

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